Seit 25 Jahren ein Mehr an Lebensqualität

Ein Mehr an Lebensqualität hat es für Heike Sichmann, der Pionierin des INR-Selbstmanagements, 1986 gegeben. Es war und ist die Unabhängigkeit von ständigen INR-Kontrollen beim Arzt. Dieses „Mehr“ wurde erfolgreich durch Dr. med. Carola Halhuber und Dr. med. Angelika Bernardo umgesetzt, indem sie die Idee des Gerinnungs-Selbstmanagements aufgriffen. Die ersten Patientenschulungen erfolgten in Bad Berleburg, Patientenseminare – zu jener Zeit beispielhaft – erläuterten den Umgang mit Gerinnungshemmern, Patientenratgeber und wissenschaftliche Untersuchungen folgten. Die ersten weltweit vorgelegten Ergebnisse von Dr. med. Angelika Bernardo zeigten, dass 83,1% der von Patienten selbst ermittelten INR-Werte (damals noch Quick-Werte) im Zeitraum von 1986-1992 im therapeutischen Bereich lagen. Die Empfehlungen die damals aus Bad Berleburg kamen, gelten heute noch.

Wenn man sich die internationale wissenschaftliche Literatur – basierend auf unzähligen Studien – zu diesem Thema ansieht, ist festzustellen, dass man nicht daran glaubte, was in Bad Berleburg in Bewegung gesetzt wurde. Immer

Wieder erscheint am Ende fast jeder Studie der Satz: „Weitere größere Studien müssen diese Ergebnisse abklären.“ In Deutschland dagegen entwickelte sich das INR-Selbstmanagement rasant weiter; auch wenn es hier immer noch den erhobenen Zeigefinger gab und gibt. „Den mündigen und verantwortungsvollen antikoagulierten Patienten gibt es nicht.“ Immerhin – so die Meinung anerkannter Wissenschaftler – wäre die Hälft der antikoagulierten Patienten in der Lage, das Selbstmanagement durchzuführen (Thomas Decker Christensen, Dan Med Bull 2011;T58(5):B4284). Wenn man die Zahlen für Deutschland zugrunde legt, dann sind es hier über 20% der Patienten, die den INR-Wert selbst bestimmen; weltweit jedoch nur 0,05%.

Die Studien zum Thema INR-Selbstmanagement der letzten 20 Jahre befassten sich nur im geringen Maße mit der Lebensqualität der Patienten. Viel wichtiger war es zunächst herauszufinden, wie häufig sich die INR-Werte im therapeutischen Bereich befinden; besteht eine erhöhte Blutungsrate? Gibt es mehr thrombembolische Ereignisse? Sind die Gerinnungsmonitore sicher? Können Patienten selbst dosieren? Alles immer im Vergleich zur ärztlichen Kontrolle. Dennoch gab es wenige Untersuchungen, die eine verbesserte Lebensqualität bestätigten. Und dieses „Mehr“ an Lebensqualität erfahren wir täglich selbst. 

Christian Schaefer (Okt. 2011)