Vom „Rattengift“ zum Meilenstein in der Gerinnungshemmung

Der Präsident der Vereinigten Staaten Dwight Eisenhower nahm nach einem Herzinfarkt 1955 Gerinnungshemmer ein. „Was gut für eine Kriegshelden und Präsidenten der Vereinigten Staaten ist, muss gut für alle sein, obwohl es Rattengift ist“ (Duxbury & Poller, 2001). Die Thromboplastine, die damals eingesetzt wurden, um die Gerinnungshemmung zu bestimmen, waren unterschiedlich. Die Bestimmung erfolgte in PTR (Prothrombin ratio). Die in den Staaten eingesetzten Thromboplastine waren nicht so empfindlich wie diejenigen, die in Großbritannien verwendet wurden. Das bedeutete, dass in den Staaten aufgrund der höheren Dosierung der Gerinnungshemmer – um den therapeutischen Bereich zu erreichen – mehr Blutungen auftraten als in Großbritannien. Erst 1982 entwickelte die WHO den standardisierten ProthrombinTest. Seit dieser Zeit müssen alle Prothrombine dem „International Normalized Ratio “ (INR) entsprechen.

Seit über einem halben Jahrhundert ist auch Phenprocoumon (Marcumar®) im Einsatz. Doch wie die Vitamin-K-Antagonisten eigentlich wirken, ist erst in den letzten Jahren aufgeklärt worden. Das Protein VKORC1 war der Schlüssel. Nun konnte man zeigen, warum antikoagulierte Patienten unterschiedliche Tagesdosen benötigen, um den therapeutischen Bereich einzuhalten.

2006 wurde in Davos/Schweiz die Substanz Phenprocoumon als „Meilenstein in der Antikoagulation“ und als unverzichtbarer Klassiker ausgezeichnet. Dabei wurde auch betont, dass die Zukunft der Gerinnungshemmung im Gerinnungs-Selbstmanagement durch den Patienten liege.

Umso befremdlicher ist es, wenn – wie selbst gehört – auf dem diesjährigen Kardiologen-Kongress im April in Mannheim wieder von Rattengift gesprochen wird.

Der weltweite Einsatz und die anzunehmende große Erfahrung der Ärzte mit diesen hochwirksamen Wirkstoffen verbunden mit geschulten Patienten sollte eigentlich ein Garant für eine lebensrettende Therapie sein.

Christian Schaefer, Juli 2010