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Lebensqualität der Patienten unter Gerinnungshemmung

Kann man die Lebensqualität von Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen, messen?
Dieser Frage ging Prof. Dr. med. Scott Kaatz, Detroit, USA, auf der 5. Internationalen Tagung der ISMAAP/ISMAA am 2. Oktober in Brüssel nach. Er verwies zunächst auf die Möglichkeit antikoagulierte Patienten dahingehend zu motivieren, sich schulen zu lassen, um das INR-Selbstmanagement für eine bessere Lebensqualität zu erlernen.
„Der beste Weg, die Lebensqualität antikoagulierter Patienten zu messen, wären klinische Studien. Ob es einen direkten Einfluss auf die Lebensqualität gibt, ist nur wenig untersucht worden, so S. Kaatz.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Lebensqualität zu messen. Der sog. SF36-Fragebogen (SF steht für short form = Kurzform). Dieser besteht aus 36 geschlossenen Fragen die für jedes Krankheitsbild gelten. Vier der acht Skalen sind das psychische Befinden (Angst, Depression), Funktions- und Leistungsfähigkeit im täglichen Leben, soziales Befinden und die körperliche Verfassung.
So wurde bereits 1997 die Lebensqualität nach Herzklappenersatz gemessen (ESCAT-I-Studie, Prof. R. Körfer, H. Körtke, Bad Oeynhausen) und man fand heraus, dass nach Ablauf von sechs Monaten annähernd eine normale Lebensqualität (verglichen mit der Normalbevölkerung) erreicht wurde.

A.P.A. Gadisseur, Leiden/Niederlande, stellte in seiner Studie fest (J. Thromb Haemost 2004; 2[4]:584-91.): Das INR-Selbstmanagement verbessert die Behandlung mit Gerinnungshemmern denn es gibt weniger Komplikationen. Es verbessert auch die Lebensqualität, da die ständige Pflicht entfällt, sich extern seine INR-Werte bestimmen zu lassen. Eine gute Patientenschulung verbessert zudem die medizinische Qualität der Behandlung mit Gerinnungshemmern. Motivierte Patienten, die das INR-Selbstmanagement durchführen, leiden weniger unter den täglichen Mühen, das psychische sowie das soziale Befinden sind besser.

S. Hamad, Eindhoven/ Niederlande fand anhand seiner Studie heraus (Eur J Cardiothorac Surg 35[2]:265-9[2009]), dass beim INR-Selbstmanagement  – im Vergleich zu Patienten die durch die Thrombosezentren betreut werden – nicht nur mehr INR-Werte im therapeutischen Bereich lagen, sondern auch, dass ein Jahr nach der Operation die körperliche Verfassung besser war.

S. Kaatz schloss mit den Worten: Patienten zum INR-Selbstmanagement angehalten werden, profitieren von einer besseren Lebensqualität.

Christian Schaefer (Nov, 2009)